Letzte-Hilfe-Kurse
Zuwendung ist für viele Sterbende ein Geschenk. In Letzte-Hilfe-Kursen können Interessierte lernen, wie sie Angehörige oder andere nahestehende Menschen am Lebensende begleiten. Es wird Wissen über den Sterbeprozess selbst vermittelt, aber auch dazu, was Palliativpflege leisten kann und was Du selbst beitragen kannst.
Zuwendung am Lebensende
Wenn klar ist, dass ein nahestehender Mensch bald sterben wird, hast Du womöglich bereits einiges zu der Thematik gelesen und gelernt, etwa über den Sterbeprozess selbst oder wie Palliativpflege am Lebensende achtsam begleiten kann. Aber vielleicht hast Du trotzdem – oder nun erst recht – das Bedürfnis, noch ganz viele weitere Fragen zu stellen oder manches vielleicht sogar zu üben. Die gute Nachricht lautet: Das geht! Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland sogenannte Letzte-Hilfe-Kurse, die der Palliativmediziner Georg Bollig entwickelt hat.
Die Analogie zu „Erste-Hilfe-Kurs“ ist kein Zufall. Bei Erster Hilfe geht es darum, Leben zu erhalten. Bei Letzter Hilfe soll es darum gehen, Lebensqualität zu erhalten.
Letzte Hilfe als Kurs
Viele Details zum Konzept der Kurse und zu deren Entstehung kannst Du auf der Webseite letztehilfe.info nachlesen. (Wenn Du nicht hier den Link antippst, sondern später händisch die Adresse in den Browser eintippst, achte unbedingt auf die korrekte Schreibweise. Sonst landest Du bei einer Webseite für aktive Sterbehilfe und darum soll es in Letzte-Hilfe-Kursen explizit nicht gehen.)
Auf seiner Info-Webseite beschreibt Kurs-Entwickler Bollig unter anderem: _ Wir vermitteln Basiswissen und Orientierungen und einfache Handgriffe. Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, sondern ist auch in der Familie und der Nachbarschaft möglich._ _ Wir möchten Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden. Denn Zuwendung ist das, was wir alle am Ende des Lebens am meisten brauchen._
Grundwissen und konkrete Übungen
Bestimmte Dinge muss man wissen, vieles lässt sich auch üben. Zum Beispiel bekommen viele Sterbende in den letzten Stunden einen sehr trockenen Mund, da sie nichts mehr trinken und zunehmend durch den Mund atmen. Deshalb trocknen die Schleimhäute aus, was sehr unangenehm werden kann. Du kannst die Trockenheit lindern, indem Du die Innenseiten des Mundes regelmäßig mit einer Flüssigkeit betupfst oder mit einer kleinen Sprühflasche anfeuchtest. Palliativpflegekräfte empfehlen, dass man dafür entweder Wasser nutzt oder eine Flüssigkeit, welche die sterbende Person definitiv gerne mag.
Gut zu wissen: Nicht nur kühler Tee oder Kaffee, auch Bier, Wein, Whisky oder etwas ganz anderes kann infrage kommen. „Am letzten Tag müssen Sie auf Karies oder andere Gesundheitsaspekte keine Rücksicht mehr nehmen“, sagen die Leitungen von Letzte-Hilfe-Kursen gerne mit einem Augenzwinkern. Im geschützten Kursraum könnt Ihr nicht nur viele Fragen besprechen, sondern einiges auch ganz konkret üben, zum Beispiel das Befeuchten der Mundschleimhaut aneinander.
Zeit- und Kostenaufwand
Ein Letzte-Hilfe-Kurs dauert etwa vier Stunden. In der Regel finden die Kurse in Präsenz statt, manchmal werden aber auch Online-Kurse angeboten. Die Kurse sind überall ähnlich aufgebaut und werden mittlerweile deutschlandweit und in verschiedenen weiteren Ländern in Europa durchgeführt. Sie sind entweder kostenfrei oder kosten nur eine geringe Gebühr. Auf der letztehilfe-Webseite unter dem Reiter „Kurse“ kannst Du nach einem Kurs in Deiner Nähe suchen.
Kinder und Jugendliche
Seit kurzem gibt es auch angepasste Letzte-Hilfe-Kurse für Kinder und Jugendliche. Schließlich sind auch sie mit den Themen Krankheit und Sterben im Alltag konfrontiert. Gerade jüngere Kinder wollen meist über alles sprechen, auch über das Sterben und dessen Details. Sie haben aber nur selten die Gelegenheit dazu, etwa weil Eltern oder Großeltern überfordert sind oder keine Zeit haben.
Die angepassten Letzte-Hilfe-Kurse sollen altersgerechte Informationen und Austausch bieten. Somit müssen Kinder gar nicht erst unnötige Ängste vor dem Tod entwickeln, können Sicherheit im Umgang mit dem Thema Sterben gewinnen und wollen sich später vielleicht sogar gesellschaftlich engagieren. Die Kids-Kurse sind grundsätzlich kostenfrei. Termine in der Nähe sind ebenfalls auf der Webseite letztehilfe.info gelistet.
